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Gärtringen-Rohrau

Verkommen und verlassen.

Lange habe ich mir mir gekämpft ob ich das Rohrauer Backhaus hier präsentieren soll. Es ist äußerlich so richtig abgerockt und das ist nicht zu entschuldigen.

Es soll hier als Negativ-Beispiel dienen. So hat ein eigentliches Schmuckstück der Gemeinde das nicht verdient.

Rohrau ist bekanntlich ein Teilort von Gärtringen. Hauptort und der Teilort Rohrau wurden die letzen Jahre richtig herausgeputzt. Nur das kleine Backhaus hat nicht mal einen Eimer Putz oder Farbe abbekommen. Vergessen – lass ich hier nicht gelten.

Schade – geradezu verwerflich. Denn Backhäuser haben sich die letzten Jahre als wahre Treffpunkte für Ortsfeste festimentiert – Backhaushockete, das hat was.

Trotz des „miserablen“ Zustands außen. Mein Blick in das Innere, leider stark getrübt durch Fliegengitter, zeigt einen Holzbackofen sowie einen elektrisch betriebenen kleineren Backofen.

Das Backhaus wird also genutzt, sonst würde niemand einen neuen elektrischen Backofen einbauen lassen. Aber warum dann der desolate äußere Zustand?

Hier ist ein umdenken der Gemeinde Gärtringen dringend angesagt. Wenn man Millionen für die Ortskernsanierung in die Hand nimmt, dann fallen die ggf. 20 TEuro für das Rohrauer Backhaus wirklich nicht ins Gewicht.

Der Website der Gesamtgemeinde entnehme ich, dass ein Konzept für die Backhäuser in Gärtringen und Rohrau entwickelt werden soll. Junge Menschen finden anscheinend keinen Gefallen an der Backkunst – das Smartphone scheint wichtiger als die Gemeinsamkeit und das Backhandwerk. Aber auch diese jüngeren Menschen lieben die Gemütlichkeit einer Backhaushockete – und sie werden älter und dann werden sie ggf. so ein Gebäude zu schätzen wissen. Daher erhalten und eine Generation weiter denken.

Die Geodaten:

N 48.625443    E 8.922564

 

 

Der Erlass

Backhäuser gibts bei uns in Württemberg durch einen Erlass aus 1808. Die Brandgefahr in den damaligen Häusern mit eigenen Backöfen war schlicht zu groß. Desweiteren sollte der Holzverbrauch eingeschränkt werden – also auch damals schon der Umweltgedanke; wenn auch unbewusst.

Den exakten Wortlaut dieses Erlasses konnte ich bisher leider nur in Auszügen finden. Er lautet in Auszügen so:

1808 Erlass im Königreich Württembergischen Staats- und Regierungsblatt: „Da die vielen Backöfen in den Häußern eben so überflüssig als gefährlich sind, sollen innerhalb Jahresfrist in allen Orten, wo keine Kommun Backöfen sind, dergleichen, jedoch entfernt von den öffentlichen Wegen, Chausseen etc., erbaut werden und jedes Königl. Oberamt darauf, daß dieser Befehl unfehlbar befolgt wird, ein genaues Augenmerk haben.“

Dieser Erlass wurde 1835 vom Innenmisterium wiederholt.

Pflicht wurden solche Einrichtungen erst nach einem Erlass des württembergischen Innenministeriums von 1835 – der Grund waren Brände in Dörfern, die von Backöfen in Wohnhäusern ausgegangen waren.

 

So der Auszug 1808 und die Wiederholung 1835. Und da die Gemeinden keine Mittel hatten neue Backhäuser aus dem Boden zu stampfen wurden ehemalige Waschhäuser zu Backhäusern „umfunktioniert“.  Das betrifft extrem viele Backhäuser in Württemberg. Viele Backhäuser sind erst in den 1835-40er Jahren entstanden als diese Verordnung des Innenmisteriums wiederholt wurde. Die Gemeinden hatten halt damals oft nicht die Mittel das sofort umzusetzen.

Jedenfalls haben wir unsere Backhäuser – dem „Amtschimmeln“ aus damaliger Zeit sei gedankt. Wo würden wir denn heute unsere Backhaus-Hocketen und andere Backhausfeste feiern die wir so lieben.

 

 

Gärtringen

Eine Begegnung der besonderen Art – doch dazu später.

 

Schön liegt es da das Gärtringer Backhaus. Am Marktplatz hinter der Kirche hat es einen angemessenen Standort – und dort kommt es auch zur Geltung.

gaertringen1

gaertingen2

Es wirkt inmitten der alten Gemäuer drum herum. Besser gehts eigentlich nicht. Störend wirken nur die in roten Backsteinen neu erbauten Kamine. Die dürften früher aus Sandstein gewesen sein. Hier hat die Gemeinde aber einserseits gespart und andererseits ein längerlebigeres Material eingesetzt. Sandstein im Kamin versottet gerne, wird brüchig und baufällig.

Ansonsten sieht man dem Bauwerk aber an, dass es wirklich gut in Schuss ist. Schön die in Sandstein gehaltenen Ecken des im Jahre 1839 erbauten Backhauses. Die Gravur im Türsturz bestätigt das Datum.

gaertringen_1839

Typisch die Türe im Giebel für ein württembergisches Backhaus – hinter der verbirgt sich entweder eine Obstdörre oder ein Lager für Reisig.

Jetzt zur Begegnung der besonderen Art:

Die beiden mächtigen weit voneinander stehenden Kamine haben bei mir einen Verdacht erweckt, der bestätigt wurde. Das Backhaus hat 2 Backstuben mit insgesamt 3 Öfen. Im vorderen Teil befindet sich die Backstube mit 2 Öfen.

gaertringen_2oefen

Im hinteren Teil befindet sich eine kleinere Backstube mit Ofen Nummer 3.

gaertringen_3ofen

So was ist selten, sehr selten. Ich habe bisher kein Backhaus ausfindig gemacht, das 2 Backstuben und 3 Öfen hat.

Und auch dieses mal hat meine Digicam perfekt funktioniert. Sie sieht halt mehr als meine Augen durch die Brille und macht gute Innenaufnahmen durch die Scheiben des Backhauses.

Wer mal nach Gärtringen kommen sollte, der findet das Backhaus unter folgenden Geodaten:

N  48.38468   E 8. 53749

Herrenberg-Kuppingen

Auf großem Fuß bzw. hoch gebaut.

So steht das Backhaus des Herrenberger Ortsteils Kuppingen in der Hemmlingstraße da. Ungewöhnlich – sehr ungewöhnlich. Backhäuser sind meist ebenerdig gebaut. Nicht das in Kuppingen.

kupp-front

Eigentlich kenne ich diese Bauweise mit hohem Eingang nur aus Orten, wo ein Bach neben dem Backhaus läuft und immer die Gefahr des Hochwassers bestand (z.B. das Altdorfer Backhaus unterhalb der Kirche – direkt an der Würm). Hier läuft aber keinerlei Gewässer und ich frage mich, wieso, weshalb? Keine Ahnung. Niemand konnte mir da weiterhelfen. Sei’s drum.

kupp-seite

Es steht noch ganz stolz da. Aber es ist nicht zu verheimlichen, dass die Sandsteine des Bauwerks massiv gelitten haben und weiter leiden. Da wäre m.E. eine Sanierung dringlichst angeraten. Aber wie überall wird der Gemeinde das nötige Kleingeld fehlen.

 

Es war nicht leicht herauszubekommen wieviele Öfen eingebaut sind. Die hohe Bauweise mit Treppe hat mich in der Sicht ins Innere massiv behindert. Ohne Leiter geht da nichts. Trotzdem hab ichs geschafft am Geländer der Treppe hängend mit der Digicam ins Innere zu schauen. Die Cam hats gesehen – meine Augen nicht (die Sonne hat massiv gespiegelt).

kupp-oefen

Es sind zwei Öfen verbaut. Und so wie es aussieht werden die auch kräftig benutzt.

Was mich erstaunte war das Edelstahlrohr im alten Kamin. Dies ist eigentlich ein Zeichen, dass neuere Öfen eingebaut wurden, die ein völlig anderes „Zugverhalten“ haben. Man mußte vermutlich den Querschnitt herabsetzen damit nicht die ganze Hitze der Öfen „flöten geht“ bzw. das alte Kamin nicht „versottet“ (nass wird und verfault).

 

Die Geodaten:   N 48. 36 759   E 8. 50 533

Herrenberg-Affstätt

Klein aber fein.

Schön steht es da, mitten an der Ortsdurchfahrt von Affstätt – einem Teilort der Stadt Herrenberg.

Backhaus Affstätt
Backhaus Affstätt

Es ist etwas in die Jahre gekommen. Trotzdem hat es seinen eigenen Charme. Dass es optisch leiden mußte geht schon aus dem Baujahr hervor, das in Stein gemeiselt über der Eingangstüre prangt.

aff-1852

Einen Blick ins Innere konnte ich leider nur durch ein mit Maschendraht „verkleidetes“ Fenster erhaschen.

aff-oefen

Man sieht ganz deutlich, dass zwei Öfen verbaut sind. Warum die Ofentüren offen stehen bleibt wohl das Geheimnis der Person, die das Backhaus betreut.

Die Geodaten:  N 48. 36 438   E 8. 50 533