Alte Backhäuser in meiner Heimat

Sie haben es mir angetan – weil sie einfach zu schön sind – mit oder ohne Fachwerk – und leider zu einer aussterbenden Spezies gehören – unsere alten Backhäuser.  Der moderne Mensch betreibt diese Backhäuser nur noch als Hobby und für Dorffeste. In vielen Ortschaften werden sie einfach abgerissen, weil der moderne Mensch das backtechnische Handwerk nicht mehr beherrscht und die Backhäuser daher ungenutzt verfallen.  Andererseits erleben viele Orte geradezu eine Renaissance was das Backen im Backhaus anbelangt. Teilweise wurden in Backhäuser auch elektrische Steinöfen zusätzlich eingebaut – man geht mit der Zeit.

backhaus-dachtelUns folgende Generationen werden diese alten Gemäuer schlicht nicht mehr nutzen (können) – in Zeiten von Computer,  Smartphone etc.  können und wollen kaum mehr junge Menschen backen und sind auch nicht bereit für das heizen eines Backhausofens Reisig zu sammeln und zu bündeln, welches man aus dem Baumschnitt der Steuobstbäume gewinnt. Das ist der Zug der Zeit -Gewohnheiten ändern sich.  Aber:  Ausnahmen bestätigen die Regel.


 

Ein Backhaus ist ein einfacher Zweckbau mit zentralem oder teilweise die Außenwände bildenden Backofen. Entstanden oft als Anbau an Waschhäuser, die es bereits Anfang 1800 gab – man konnte ja im Winter nicht am Bach waschen. Und das Oberamt hatte damals erlassen, dass die Gemeinden ein Backhaus erstellen mußten. Das „zu hause backen“ war viel zu brandgefährlich (Funkenflug) bei all den Fachwerkhäusern mit ihren oft maroden Dachstühlen.

Speziell in kleineren Gemeinden war ein Backhaus bis in die 1960er Jahre verbreitet. Regelmäßige Backtage sparten den Bäcker, den eigenen Ofen und Energie. Zudem stellte der Backtag ein wichtiges die Gemeinschaft förderndes Datum dar.  Hier wurden Neuigkeiten beim warten auf Brot und Kuchen ausgetauscht – Backtag war Tratschtag.

Und Brot, Zwiebel-, Kraut-, Gries- und was weiß ich  -Kuchen aus dem Backhaus schmecken einfach genial.

Die Öfen wurden mit lokal verfügbarem Heizmaterial beheizt, meist Reisig aus Obstbaumschnitt und/oder Holz. Vor dem Einbringen der Backwaren wurde vorgeheizt auf etwa 300 Grad Betriebstemperatur – wobei trockenes Baumschnitt-Reisig schneller zur gewünschten Ofentemperatur führte.

brennender-ofen

Die entstandene Glut wurde vor dem Beschicken mit der sog.  Kruck entfernt. Anschließend der Backofenboden mit einem feuchten Tuch an der Kruck ausgerieben (bei neuen Öfen soll das den Ofen schädigen – so ein Fachmann).  Die erfahrenen Bäckerinnen wußten genau die Temperatur des Ofens einzuschätzen. Waren keine „schwarzen Flecken“ mehr an der Ofendecke war die optimale Backtemperatur erreicht. Und das waren so um die 300°C – also ganz schön heftig.

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Gemeinschaftlich genutzte Backhäuser sind vereinzelt zwar schon seit dem 14. Jahrhundert nachgewiesen, ihre flächendeckende Verbreitung begann jedoch erst im 17. Jahrhundert – als in zahlreichen Teritorien des Heiligen Römischen Reiches Hausbacköfen wegen der Brandgefahr und des höheren Holzverbrauches hoheitlich untersagt wurden. Der Bau der Backhaus-Backöfen wurde von speziellisierten Handwerkern übernommen, die sogar Zünfte bildeten.

Vielleicht hat auch eine Erneuerung des feuerpolizeilichen Erlasses aus dem Jahr 1808 etwas nachgeholfen. Jedenfalls ist auffallend, dass in der Zeit zwischen 1830 und 1840 in Württemberg sehr viele Gemeindebackhäuser erbaut bzw. Waschhäuser zu Backhäusern umgebaut wurden.

 

Es wird eine zeitaufwändige Aufgabe werden diese alten Gemäuer zu dokumentieren. Ich bin mir klar darüber dass das Jahre dauern wird bzw. nie fertig zu stellen ist. Trotzdem werde ich es in Angriff nehmen- dieses Kulturgut muss dokumentiert werden. Ich werde mich – wie es der Titel schon sagt – auf meine Heimat und das Umland beschränken müssen . Also meine Geburtsregion,  die Schönbuchlichtung und meinen derzeitigen Wohnort im Heckengäu – und die Landkreise drumherum.  Und ich werde mich auf die m.E. sehenswerten Backhäuser beschränken – es gibt leider zu viele der Art, wo man besser die Spitzhacke ansetzen sollte.

Und schon heute meinen Dank an die,  die die Verwaltung der Backhäuser und Backzeiten übernommen haben. Dieses Ehrenamt gilt es zu würdigen.

 

Und der „Schofseggl“ hier hat sich das vorgenommen:

bullabMein Name: Paul Kohler   —  Mein Spitzname:

Bullabeisser.

 Ich werde auch bei den vorgestellen Backhäusern die Geodaten mit angeben, damit Ihr das auch per Smartphone oder Google Earth/Maps finden könnt.

Die Geodaten findet Ihr in der Rubrik „Allgemein“

In diesem Sinne – ich hab was vor.

 

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